In our foremothers arms


Zu Weihnachten gedenken viele von uns besonders ihrer Ahnen, der Menschen in den Familien und Freundeskreisen, die im vergangenen Jahr und vielleicht auch schon lange den Weg alles Irdischen ins Jenseits gegangen sind.
In vielen Kulturen verstehen sich die Menschen fortwährend in Verbindung - im Buch "Roots" heißt es bei den Mandinka in Westafrika sinngemäß: In einem Dorf leben immer drei Gruppen von Leuten - die, die jetzt auf der Welt sind, die, die schon gestorben sind und die, die erst noch geboren werden. Auch bei uns ist dieses Verständnis noch ganz nahe. Im Märchen von Aschenbrödel wächst auf dem Grab der Mutter ein Haselnussstrauch, unter dem das Mädchen oft sitzt und mit der Mutter spricht und von dem

 Foto: debowscyfoto/pixabay                                                                                                                       dann die drei Zaubernüsse Aschenbrödel in den Schoß fallen. Im Märchen ist noch ein Rest des alten Pflanzenwissens unserer Vorfahren um den Haselstrauch überliefert. Unter seinen Zwiegen soll man leicht mit den Ahnen in Kontakt kommen können. Ebenso wie während der Rauhnächte. Im Lexikon des deutschen Aberglaubens werden für die dunkle Zeit verschiedene Bräuche beschrieben, die auf den Umgang mit den Ahnengeistern hinweisen. Kerzen leuchten ihnen den Weg und ziehen sie an, wärmen sie, geben aber den Lebenden mit ihrem Licht auch Schutz. Vielerorts wurde den Ahnen ein Altar gestaltet, mit Bildern, vielleicht mit Andenken derjenigen oder Dingen, die sie mochten, ubnd einer Kerze. Vom Festessen wurde ihnen auch ihr Teil zum Altar gebracht. Oder der Tisch wurde nach dem Weihnachtsessen nicht abgeräumt, so dass in der Nacht die Ahnengeister tafeln können...

Das Ritual für heute:

Nehmt Euch einige Minuten Zeit und geht an einen guten Ort, an dem Ihr Euch wohlfühlt und in Ruhe sein könnt. Gestaltet Euch den Ort, wie es Euch Freude macht, vielleicht mit einem bequemen Sitzkissen, einer Decke, die Euch gut hüllt, einer leuchtenden Kerze. Setzt Euch oder legt Euch hin, wie es für Euch am besten ist. Vielleicht habt Ihr Zymbeln, ein Glöckchenband oder eine Klangschale, die Ihr zum Beginn anschlagen könnt. Dann könnt Ihr gern die Augen schließen.
Die Ahnen - wir alle sind geprägt von den Generationen vor uns, jeder für sich in seiner Familie und gemeinsam auch gesellschaftlich. Wenn Ihr mögt, erinnert Euch einmal zurück an Eltern, Großeltern, Urgroßeltern. Kennt Ihr etwas von ihren Geschichten, habt Ihr noch etwas erfahren von Ihrem Leben, ihrer Freude, ihrem Leid? Und vor denen, die wir noch selbst kennen oder von denen wir erzählen hörten, gibt es eine lange Reihe von Ahnen, von denen wir nichts persönliches mehr wissen und sie stehen nicht in unseren Stammbüchern. Wie weit ahnt Ihr Eure Ahnenreihe zurück? Geht immer nur soweit, wie es Euch gut tut. Wenn Ihr mögt, stellt Euch vor, Ihr würdet mit allen Ahnen, die das gern wollen, um ein großes Feuer sitzen. Schaut sie Euch in der Runde gern an, freundlich, neugierig, respektvoll, dankbar, überrascht, ... Verweilt Ihr bei dem ein oder anderen? Manchen fühlt Ihr Euch vielleicht verbunden, anderen weniger. Rühren Euch der oder die Eine oder andere besonders an? Gibt es etwas, dass sie Euch sagen oder fragen möchten? Wenn ja, dann fragt sie danach. Gibt es etwas, dass Ihr sie gern fragen oder Ihnen sagen würdet? Dann fragt sie, ob das für sie in Ordnung ist und wenn ja, dann sprecht. Und lauscht. Nicht immer gibt es Worte. Vielleicht kommuniziert Ihr eher über Bilder oder Gefühle, die auftauchen. Wenn alles ausgetauscht ist, bedankt Euch. Wünschen sie sich noch etwas von Euch? Fragt, ob noch etwas zwischen Euch geschehen soll? Folgt dem oder trefft eine Verabredung, wenn Ihr mögt. Zum Abschluss, wenn Ihr mögt, fragt, ob es gut ist, wieder in Kontakt zu kommen? Wenn ja, wie? Dann bedankt Euch in der Runde und verabschiedet Euch.
Öffnet langsam die Augen und setzt Euch wieder auf. Spielt zum Ende Eure Zymbel, Glöckchen oder Klangschalen.
Vielleicht mögt Ihr etwas notieren.

Der Gesang für heute kann Euch vielleicht dabei begleiten.
Frohe Weihnachten!

Der Gesang zum Weihnachtstag der Ahnen ist:
In our foremothers arms
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Kapo 6. Bund                                           Kapo 1. Bund (alle Harmonien ohne Barré)
A-Teil:
Am I Em I Am-Em I Am-Em I      2x         dm I am I dm-am I dm-am I    2x

B-Teil:
Em I Hm I Am-Em I Am-Em I                   am I em I dm-am I dm-am I
Am I Em I Am-Em I Am-Em I                   dm I am I dm-am I dm-am I

T/M: Ulla Pirttijärvi

Dieser Gesang ist ein Yoik ohne Worte der samischen Sängerin Ulla Pirttijärvi. Yoiks mit ihren Klangsilben verklanglichen das Wesen der Dinge und Geschehnisse. Sie gehören zum Jodeln, das in vielen Gegenden der Welt praktiziert wird. 

CD: "Máttaráhku askái"