Der Lebensbaum - Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen

Der Weihnachtsbaum ist ein uraltes Symbol, das weit in die Steinzeit zurückreicht. Er ist ein Abbild des Weltenbaumes, wie wir ihn aus der germanisch-keltischen Mythologie kennen. Mit seinen Wurzeln ist er tief in der unteren Welt verbunden und nährt sich von dort. Sein Stamm ist ganz in dieser Welt, die wir mit Pflanzen, Tieren, Steinen teilen. Seine Krone reicht bis in den Himmel in die Welt der Seelen und Geister.
Unser Weihnachtsbaum ist somit unser Lebensbaum, der  Universum, Erde und das Diesseits mit allen Wesen, die drei Welten verbindet.
Foto: Steen Jepsen                                                                                                                                                                                                                            Er grünt im Winter, wenn alle anderen Wesen sich zurückgezogen haben, und schenkt uns Hoffnung und Vertrauen ins Leben und die Erneuerung - an den kontinuierlichen Zyklus des Werden-Vergehen-Wiederwerdens, das Heilige Sein. "Ende und Anfang sind im Antlitz des Weltenbaumes ein und dasselbe ..." (Christian Rätsch)

 
In die Häuser wird der Baum erst seit dem 16 Jh. geholt. Von den Reichen aus verbreitete sich der Brauch über 2 Jahrhunderte hinweg bis in die Haushalte des einfachen Volkes. Davor blieb der Baum lebendig im Wald - analog zu unserem Leben, das von der Natur aus mehr und mehr in die Häuser gezogen ist. Geschmückt wurde er zum Fest der Wiedergeburt des Lichtes schon immer, mit Äpfeln als Symbole des Weiblichen, der Liebe und des Lebens, mit Nüssen als Symbolen der Weisheit, mit süßen Lebkuchenherzen und ~sternen aus den Früchten der Erde, beleuchtet mit Kerzen, die das heilige Licht tragen, mit Lametta für den Schnee, der draußen um diese Jahreszeit der Erde zudeckt und mit einem Glanz versieht.  In diesem Baum wohnen seit alters her die Götter, die zur Heiligen Nacht einen Segen wirken, den die Irdischen nicht zu geben vermögen.
Und zu dieser Zeit ist es uns noch immer am natürlichsten, unser Tun und Sein mit Gesängen zu begleiten.


Das Ritual für heute:

Wenn Ihr Euren Baum in die Stuben holt, ihn aufstellt und schmückt, seid Euch gewiss, dass Ihr einem uralten Brauch folgt. Es verbindet uns mit dem Tun, der Hoffnung und Liebe unserer Vorväter und Großmütter, auf deren Schultern wir stehen. Lasst Euren Baumschmuck die Symbole des Lebens sein, die uns mit allen Welten verbinden. So werden sie ihre Kraft in der Weihnachtszeit in unsere Stuben verströmen und unsere Lieben umhüllen und stärken.

Mit diesem Gefühl im Inneren könnt Ihr nun feiern, singen und in die nächste Nacht, den nächsten Tag gehen.

Der Gesang zur Wintersonnenwende ist:
Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen
youtube

D                                             G             D
Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen,
                         G    A                      D
wie glänzt er festlich, lieb und mild.
                          G   A7                  D
Als spräch er: wollt' in mir erkennen
                  G      A7                D
getreuer Hoffnung stilles Bild.

Die Kinder stehen mit hellen Blicken,
das auge lacht, es lacht das Herz.
Oh, fröhlich seeliges Entzücken.
Die Alten schauen himmelwärts.

Zwei engel sind hereingetreten.
Kein Auge hat sie kommen sehen.
Sie gehen zum Weihnachtstisch und beten
und wenden wieder sich und gehen.

Gesegnet seid ihr alten Leute,
gesegnet sei, du kleine Schar.
Wir bringen Gottes Segen heute
dem braunen wie dem weißen Haar.

Kein Ohr hat ihren Spruch vernommen,
unsichtbar jedes Menschen Blick
sind sie gegangen wie gekommen,
doch Gottes Segen blieb zurück.

T/M: Herrmann Kletke, 1841/deutsche Voksweise

Noten im Buch: "Lieder für die stille Zeit"
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